Marktmusikkapelle Burgheim

 

UNSERE CHRONIK -
Die Geschichte der Marktmusikkapelle Burgheim

Die Anfänge
Wenig ist uns überliefert über die Anfänge und Wurzeln Burgheimer Blasmusik. Verlieren sich ihre Ursprünge auch im Dunkel der Geschichte, so wissen doch Zeitungsberichte aus der Nachkriegszeit von einem ersten Zusammengehen einheimischer Musikanten im Jahre 1850 zu berichten. Der Markt Burgheim darf demnach heute auf eine mindestens über 160-jährige Blasmusiktradition zurückblicken. Einen Höhepunkt erreichte die Entwicklung zweifelsohne mit der Kapellengründung durch Josef Blei im Jahre 1914. Er brachte eine Kapelle auf hohem Niveau hervor, in deren Reihen auch aktive Militärmusiker standen. Im Jahr 1951, damals unter der Leitung von Anton Blei, feierte die Burgheimer Blasmusik ihr 100-jähriges Bestehen, zu dem sich 80 Musiker aus der näheren Umgebung einfanden. 





In diesen ersten Jahren nach dem Krieg sorgte außerdem die "Kapelle Halbeis" für die Aufrechterhaltung der blasmusikalischen Tradition in Burgheim. 1956 schlossen sich beide Gruppen zusammen. Alois Spieß übernahm die Führung der insgesamt sieben Musikanten. Unter dem Einfluss aufkommender neuer Musikrichtungen, wie Rock’n’Roll und Beat in den 60er und 70er Jahren quälte sich die Blasmusik in Burgheim mit Nachwuchsschwierigkeiten. Burgheims Blasmusikanten wurden weniger und weniger. Schon Anfang der Sechziger versuchte Anton Lösch der bedrohlichen Entwicklung entgegenzuwirken. Auf sein Drängen, mit dem TSV Burgheim als Trägerverein im Rücken, gruppierte sich schließlich ein ca. fünfzehn Mann starker Spielsmannszug um Alois Spieß, dem Ausbilder und Hauptverantwortlichen dieser neuen Crew. Doch schon 1974 löste sich der Spielmannszug endgültig auf. 





Die Gründerjahre
Die damaligen Musiker, unter ihnen unser heutiger Ehrenvorsitzende Willibald Brendle (seit 1999), hatten schwer mit ihrem Mitgliedermangel zu kämpfen, was zwangsläufig auch mit Qualitätseinbußen verbunden war. Aus diesem Grund beschloss man im November 1977 eine Jugendkapelle zu gründen. Vier der damals 14 Jungmusikanten sind heute, im Jahr 2019, immer noch aktiv.
Die Werbeaktion des Jahres 1977 kann als Geburtsstunde der heutigen Marktmusikkapelle Burgheim bezeichnet werden. Zunächst stand Josef Mändl der verjüngten Kapelle als Dirigent vor. Nach dessen plötzlichem Tod 1978 übernahm Karl Paukert kurzzeitig den Dirigentenstab. Aus gesundheitlichen Gründen übergab dieser im Mai 1980 die musikalische Leitung an Max Blei (1980-1993). Die Proben fanden zu dieser Zeit noch in der Aula der Volksschule Burgheim statt. Mit Willi Brendle als 1. Vorsitzenden (1981-1992) entstand am 30. April 1981 ein zunächst nicht eingetragener Verein, der am 1. August 1982 dem Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON – Bezirk Mittelbayern) beitrat. Die Eintragung ins Vereinsregister wurde schließlich am 27. August 1982 nachgeholt, womit die „Marktmusikkapelle Burgheim e. V.“ aus der Taufe gehoben war. 



Das Vereinsleben in den achtziger und neunziger Jahren
Bereits 1983 nahm die Kapelle, die mittlerweile fast 40 aktive Musikerinnen und Musiker zählte, am Bezirksmusikfest in Dietfurt teil, und erzielte beim Wertungsspiel in der Mittelstufe einen ersten Rang mit Belobigung. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen im Konzert- und Marschwettbewerb bei weiteren Bezirksmusikfesten des MON sowie des ASM (Allgäu-Schwäbischer Musikbund), beim Landesmusikfest in Garmisch-Partenkirchen (1990) sowie beim Bundesmusikfest in Pfaffenhofen (1992). Zu den musikalischen Höhepunkten der damals noch jungen Vereinsgeschichte zählten sicherlich auch die Konzertauftritte vor heimischem Publikum in den Jahren 1988, 1989 und 1991.





Bereits 1986 nahm der Verein die Ausbildung von fünfzehn Jungbläsern auf. Flügelhornist Markus Ludwig leistete damals eifrige Nachwuchsarbeit und führte in den Jahren 1988 – 1990, vor der Eingliederung der Jungbläser in die Stammkapelle, den Taktstock für den 15-köpfigen Nachwuchs.
Bereichert wurde das Vereinsleben in dieser Zeit zweifellos auch durch den intensiven Austausch mit der Partnerkapelle aus Muthmannsdorf im Bezirk Wiener Neustadt in Österreich. Im Zuge der 650-Jahr-Feier des Marktes Burgheim im Jahr 1986 ergab sich außerdem ein reger Kontakt zur Stadtkapelle Burkheim am Kaiserstuhl.
Im April 1990 bezog die Kapelle einen neuen Proberaum im Kellergeschoß des damals neuerbauten Burgheimer Kindergartens. Zwei Jahre später, bei der Generalversammlung im Frühjahr 1992, gab Willibald Brendle das Amt des 1. Vorsitzenden an Helmut Lenz (1992-1998) ab. Anlässlich des 15-jährigen Gründungsfestes der Marktmusikkapelle übernahm der Verein im gleichen Jahr die Ausrichtung des 22. Bezirksmusikfestes des Musikbundes von Ober- und Niederbayern im Bezirksverband Mittelbayern. 




1993 beendete Max Blei nach dreizehn ereignis- und erfolgreichen Jahren seine Dirigententätigkeit. Hans Käfer (1993-2005) übernahm mit viel Schwung und neuen Ideen die musikalische Leitung. Zu den zahlreichen kirchlichen und weltlichen Auftritten, die das Vereinsleben seit der Gründungsphase wesentlich prägten, kamen neue Engagements hinzu: In den Jahren von 1994 bis 2006 gastierte ein Ensemble von Musikern regelmäßig bei den Freilichtaufführungen des „Bayerischen Jedermann“  am Karlsplatz in Neuburg a. d. Donau. Im Zwei-Jahres-Rhythmus – im Wechsel mit dem traditionellen Adventssingen – veranstaltet die Marktmusikkapelle seit 1997 ein vorweihnachtliches Konzert in der Burgheimer Pfarrkirche „St. Cosmas und Damian“. 1996 gastierte die Partnerkapelle aus Muthmannsdorf zum Frühjahrskonzert; das Jubiläumskonzert im Jahre 2002, anlässlich des 25-jährigen Bestehens, gestaltete der Verein – seit 1998 unter der Führung von Jörg Schuster (1998-2004) – gemeinsam mit der Stadtkapelle Burkheim.
Mit Hans Käfer erspielte sich die Marktmusik zudem einen guten Ruf als Festkapelle bei verschiedenen Anlässen. Für Stimmung sorgten die Musikanten u. a. auf dem Burgheimer Marktplatz beim Empfang der Teilnehmer der BR-Radltour am 6. August 2002. Spontan engagierten die Organisatoren die Kapelle auch für die Nachfeier im Münchner Hofbräuhaus am 18. Januar 2003.





Die musikalische Entwicklung seit 2005
Das Jahr 2005 war erneut verbunden mit einem Dirigentenwechsel. Im März legte Hans Käfer sein Amt nieder. Jörg Schuster überbrückte, bis im September Silke Munninger (verh. von der Grün) den Taktstock übernahm, um neue musikalische Akzente zu setzen. Nach nur drei Monaten intensiver Probenarbeit unter Silke von der Grün präsentierte sich die Kapelle in der Burgheimer Pfarrkirche „St. Cosmas und Damian“ zum turnusgemäß anstehenden Adventskonzert. Weitere kirchliche und bisher drei weltliche Konzerte folgten. Bereits zum vierten Mal gestalteten die Musikerinnen und Musiker um Silke von der Grün im September 2016 eine Serenade in der Parkanlage des Seniorenzentrums Schloss Straß und konnten so auch die Anhänger bayerisch-böhmischer Blasmusik begeistern. 





Unter Silke von der Grün erfuhr insbesondere die konzertante Musik eine deutliche Aufwertung. Gleichzeitig wurde die Liedauswahl bayerisch-volkstümlicher Blasmusik umgestaltet und kontinuierlich erweitert. Heute umfasst das bunt gemischte Repertoire der Kapelle viele Genres der Musikliteratur und reicht von traditioneller Marschmusik, böhmisch-mährischen Polkas und Walzerklängen über Liedgut im Big-Band-Stil sowie modern arrangierten Film- und Schlagermelodien bis hin zur Klassik und Kirchenmusik. 

Ein weiterer Schwerpunkt im Schaffen der musikalischen Leiterin Silke von der Grün liegt auf der Nachwuchsarbeit. Seit 2006 fördert sie junge Talente im Kindergartenalter im Rahmen der musikalischen Früherziehung. Gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden Hans-Peter Eigen (2004-2010) wurden seit 2006 die Bemühungen, neue junge Kräfte für den Verein zu gewinnen, deutlich verstärkt. Ein Tag der „offenen Tür“ am 25. März 2006 erwies sich als durchaus erfolgreich. Zahlreiche Schulkinder und Jugendliche zeigten Interesse, so dass im Jahr 2008 bereits erste gemeinsame Proben abgehalten werden konnten. Die sich in der Folge neu formierende  Jugendkapelle existierte bis ins Jahr 2015 und erreichte insbesondere durch das Engagement von Silke von der Grün, Jörg Schuster und zuletzt Andrea Haninger beachtliches Niveau.

Flankierend dazu konnten für die Ausbildung an verschiedenen Instrumenten z. T. professionelle Musiklehrer engagiert werden, so dass die meisten Mitglieder des Jugendorchesters mittlerweile fest in die Stammkapelle intergiert sind. Ihren Niederschlag findet die erfolgreiche Nachwuchsarbeit auch spürbar an der regen Teilnahme an den Prüfungen zum Erwerb des Leistungsabzeichens. Instrumentalprüfungen in den drei Anforderungsstufen D1 (Bronze), D2 (Silber) und D3 (Gold) wurden in den letzten zehn Jahren unter dem 1. Vorsitzenden Andreas Stemmer (2010-2018) von verschiedenen aktiven Mitgliedern der Kapelle erfolgreich absolviert. Es ist dies nicht nur ein Anreiz zum Musizieren, sondern auch die Möglichkeit, den musikalischen Leistungsstand zu heben – für den Einzelnen wie für das gesamte Orchester.
Eine Plattform zur Darbietung ihres Könnens bietet der Verein seinen jungen Musiktalenten außerdem beim Vorspielnachmittag, der seit einem gelungenen Einstand im Pfarrsaal im Jahr 2008 jährlich in der Alten Burgheimer Turnhalle stattfindet.





Im Jahre 2007 feierte die Kapelle ihr 30-jähriges Bestehen mit verschiedenen Veranstaltungen: Ein musikalisch anspruchsvolles Jubiläumskonzert im April in der ausverkauften Mehrfachturnhalle bildete den Auftakt. Der gemeinsame Sternmarsch zum Burgheimer Marktplatz mit sechs befreundeten Kapellen aus der Nachbarschaft markierte einen weiteren Höhepunkt.  Schließlich setzte das traditionelle vorweihnachtliche Konzert in der Burgheimer Pfarrkirche „St. Cosmas und Damian“ den Schlussakkord unter ein sehr ereignisreiches Vereinsjahr.

Zu einem einmaligen Erlebnis wurde im Jahr 2008 zweifelsohne auch die viertägige Pilgerreise nach Rom mit unserem Herrn Pfarrer Dekan Werner Dippel, verbunden mit einer Papstaudienz auf dem Petersplatz, bei der die Musikanten aus Burgheim Papst Benedikt XVI. mit bayerischer Blasmusik begrüßen durften. 

Nach dem Austritt aus dem Musikbund von Ober- und Niederbayern (MON) entschloss sich der Verein nach sieben verbandslosen Jahren 2016 dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund (ASM – Bezirk 16) beizutreten. Gerne folgte man noch im gleichen Jahr der Einladung zum Bezirksmusikfest nach Marktoffingen im schwäbischen Landkreis Donau-Ries und zum 90-jährigen Jubiläum des ASM in Donauwörth.





Aktuelle Entwicklungen seit dem Jubiläumsjahr 2017
Zusammen mit neun befreundeten Kapellen feierte die Marktmusik am 10. Juni 2017 ihr 40-jähriges Gründungsjubiläum. Freuen dürften sich die zahlreichen Zuschauer schon im Vorfeld auf einen Sternmarsch aller Kapellen mit anschließendem Gemeinschaftschor am Burgheimer Marktplatz. Beim „Abend der Musik“ in der Festhalle auf dem Anwesen der Familie Lautner erklang feinste Blasmusik: Ein musikalisches Stelldichein des Jubelvereins und ein „Spiel aus allen Ecken“, bei dem die anwesenden Kapellen abwechselnd ihre Visitenkarte abgaben, sorgten für Stimmung und gute Laune.
Abgerundet wurde das Jubiläumsjahr im Advent mit einem Kirchenkonzert in der Pfarrkirche „St. Cosmas und Damian“, wobei ein Teil der Einnahmen durch Spenden traditionsgemäß wieder einem gemeinnützigen Zweck zuflossen.

Wenngleich die meisten Mitglieder des im Jahr 2008 gegründeten Jugendorchesters im Laufe der Zeit nach und nach in die Stammkapelle integriert wurden, was 2015 schließlich zur Auflösung des Ensembles führte, leistete der Verein durch die musikalische Früherziehung und den Einzelunterricht der Neuanfänger an verschiedenen Instrumenten kontinuierliche Nachwuchsarbeit. Um den jungen Talenten die Möglichkeit zu bieten, nicht nur allein im „stillen Kämmerlein“ zu proben, sondern mit Gleichgesinnten ihrem Hobby nachzugehen, hat sich die Vereinsführung im Jahr 2017 entschlossen, langfristig wieder eine Jugendkapelle aufzubauen. Stefan Blei, selbst aktives Mitglied im Stammorchester, übernahm die musikalische Leitung der aktuell aus über zehn Nachwuchsbläsern bestehenden Gruppe.





Neue Herausforderungen beschritt auch die Stammkapelle. Um ihr Können von einer unabhängigen Fachjury beurteilen zu lassen, beteiligten sich die Musikerinnen und Musiker mit ihrer Dirigentin Silke von der Grün nach jahrelanger Pause im März 2017 wieder an einem Wertungsspiel, das vom ASM in Mertingen ausgetragen wurde. Dem musikalischen Leistungsstand und den Besetzungsverhältnissen entsprechend trat man in der Konzertwertung in der Kategorie 3 (Mittelstufe) an und erspielte sich das Prädikat „mit sehr gutem Erfolg“ – eine Platzierung, die die stete musikalische Weiterentwicklung der letzten 12 Jahre, insbesondere in der konzertanten Blasmusik, eindrucksvoll dokumentiert.
Bestätigen konnte der Klangkörper diese Leistung ein Jahr später, als man 2018 beim Wertungsspiel „Traditionelle Blasmusik“ in Rögling in der Schwierigkeitsstufe C (schwer) erneut „mit sehr gutem Erfolg“ abschnitt. Auch beim dortigen Bezirksmusikfest reihte sich die Marktmusik aus Burgheim gerne zum Gemeinschaftschor mit anschließendem Festumzug in die Schar der zahlreich angereisten Kapellen ein. 


Seit dem Ausscheiden von Andreas Stemmer aus seinem Amt als 1. Vorsitzender im Sommer 2018 wird der Verein aufgabenteilig von einem drei- bzw. vierköpfigen Vorstandsteam geführt.
Die Marktmusikkapelle Burgheim besteht heute im Jahr 2019 aus 147 fördernden Mitgliedern und weiteren ca. 50 aktiven Musikerinnen und Musikern aus insgesamt neun Registern, die den Charme des Klangkörpers ausmachen.


Stand: Januar 2019 | Fredi Martin | Bilder: Archiv Marktmusikkapelle Burgheim